Grenzerfahrung in den Schweizer Bergen- Bergabenteuer bei bis zu 3000 Höhenmetern

Für mich ist es eine kleine Tradition, jährlich mit meiner Familie zu verreisen. Mal geht es an den Strand, in die Stadt oder eben wie vor einer Woche in die Berge zum Wandern. 🙂 Eine ganze Woche verbrachten wir in der Schweiz, oder um genau zu sein im Kanton Wallis, und wanderten mit unserem Tagesrucksack von Hütte zu Hütte. Unser restliches Gepäck wurde (glücklicherweise) von einem Bus zum jeweiligen Tagesziel transportiert.

Wenn ich ehrlich bin, finde ich keine passenden oder treffenden Wörter um die vergangene Woche zusammenzufassen. Ich könnte jetzt sagen, wie schön es war, wie viel wir erlebt haben – und das stimmt natürlich auch- aber das ist nicht alles.
Es gab wirklich Momente in denen ich stark gezweifelt habe, ob ich jemals ankommen würde, und das bereits ab Tag 1. Ich kam teilweise wirklich an meine Grenzen.

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Einige Wege – nennen wir es einfach mal so – sind dort nicht ganz so, wie ich es hier vom, im Vergleich zur Schweizer Bergwelt, flachen Thüringer Wald gewöhnt bin.
Sprichwörtlich sagt man ja „über Stock und Stein gehen“, wir sind an Tag 2 tatsächlich über Steine gelaufen und das über Stunden hinweg.
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Erst fing alles ganz harmlos an, hier noch etwas Wiese, da ein paar Kieselsteine, doch aus denen wurden allmählich große Felsbrocken. Irgendwann waren sie so groß, dass man nicht mehr über sie oder zwischen ihnen gehen konnte, sondern über sie klettern musste, nach oben zum Gipfel. 😀
In der Situation kamen in mir sämtliche Gefühle und Gedanken hoch: Erschöpfung, Begeisterung, Hitzegefühl, Ermüdung, Trotz, Faszination, …
Natürlich war die Aussicht gigantisch! Ein Meer aus Steinen und wir mittendrin. Aber genießen konnten wir den Ausblick nicht immer.

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Das sieht man nun wirklich nicht jeden Tag. Vielleicht war es genau diese Faszination und Bewunderung die mich daran hinderte aufzugeben und mich antrieb, mehr davon zu sehen. (Gut wir waren auch mitten im Nirgendwo und niemand hätte mich abholen oder versorgen können. 😀 )

 

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„Hier entlang geht es zu den Leitern!“ oder auch einfach „Pas Hevre“ ➡️

Auf dem Weg zum Gipfel musste man sich für eine Weg-Variante entscheiden: Nimmt man den längeren aber dafür etwas unkomplizierteren Weg oder den etwas kürzeren, komplizierteren, so viel cooleren und spannenderen Weg über Eisenleitern nach oben?! Was ich gewählt habe ist da ja keine große Überraschung. 😀 Nur diese Leitern musste man erstmal erreichen. Es ist gar nicht so einfach über glatte Steine hochzuklettern mit Wanderstöcken in der Hand und einem schweren Rucksack auf dem Rücken. Aber wir haben es geschafft! Und dieses Gefühl ist unbeschreiblich! Und der Blick nach unten erst! Da wird einem zum ersten Mal wirklich bewusst, was hinter einem liegt bzw. geschafft wurde, zu Fuß! IMG_8191Doch ganz auf dem Gipfel waren wir ja noch nicht. Die Leitern mussten wir auch noch erreichen und erklimmen.

Pünktlich dazu fing es an zu Regnen und die Sicht und der Weg dorthin wurde nochmal erschwert. Die Leitern an sich waren dadurch so rutschig, was das Gefühl von Sicherheit nicht gerade bestärkte. Ich hatte wirklich Angst zu fallen. Doch irgendwie schaffte ich es auf die erste Plattform und von da aus über die nächste Leiter nach ganz oben! Meine Knie waren weich, meine Hände zittrig, aber ich war oben und glücklich und erleichtert. 🙂

Jetzt mussten wir „nur“ noch den Berg wieder runter und „dann“ (das waren so 4,5h) sind wir auch schon am Tagesziel. 🙂

Zwei Tage später kam dann das angekündigte Highlight der ganzen Wandertour: eine Übernachtung in einer Berghütte auf 3000 m! Das liegt so hoch, dass unser Gepäck nicht dahin gebracht werden konnte. Heißt für uns: mehr Inhalt im Rucksack!
Der Anstieg dorthin war so anstrengend, wie man es bei 3000 Höhenmetern auch erwarten kann. (Aber längst nicht so anstrengend wie über tausende Steine nach oben) FullSizeRender 46.jpg
Was ich aber ehrlicherweise dazusagen muss: ein ganzes Stück wurden wir mit einem Bus gefahren, denn am Tag zuvor waren wir wieder im Tal angekommen. Von dort aus bis ganz nach oben zu laufen, hätten vermutlich nicht mal die wanderfreundlichsten von uns geschafft. 😀
Dennoch ging es ab da immer noch steil nach oben.

Unterhalb der Hütte und vor dem letzten Aufstieg des Tages machten wir noch einmal Halt und genossen die felsige Landschaft.

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Das letzte kleine Stück zog sich nochmal ganz schön in die Länge. Und wieder ging es durch, über und neben Steinen entlang und sogar an einem kleinen Gletscher vorbei.

Und plötzlich war man oben, schneller als gedacht. Das Gefühl soweit oben zu stehen, angekommen zu sein und die Berge rings um sich zu sehen, ist und bleibt unbeschreiblich schön!
Die Hütte vollendete das Landschaftsbild. Es wirkte alles so friedlich, ruhig, befreit und durch die Berge gleichzeitig etwas bedrohlich und beschützt. Es war perfekt!


Doch das eigentliche Erlebnis war die Hütte selbst. Nicht nur die Aussicht die man auch

FullSizeRender 48.jpgvon drinnen genießen konnte, oder die Tatsache, dass es keinen Strom und fließendes Wasser gab, sondern auch die Schlafzimmer. Es gab zwei 8 Personen-Zimmer und ein 16 Personen-Zimmer mit…. DOPPELSTOCKBETTEN! 😍 Diese waren so breit, dass jeweils 2 Leute auf einer Bett-Etage schlafen konnten! Genial!
Unsere Wandertruppe war so groß, dass wir ein 8er Zimmer komplett besetzen konnten.
Die Nacht verlief allerdings nicht so toll wie am Anfang gedacht: es war so warm und stickig und wenn einer sich im Bett umdreht, bekommen es alle mit. Viel Schlaf hat in der Nacht niemand gehabt. 😀

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Um so schöner war dann der Sonnenaufgang am nächsten Morgen. Diese Ruhe und diese friedvolle Stimmung ist wundervoll. Niemand musste was sagen, kommentieren oder Fragen stellen. Die Situation war so vollkommen perfekt wie sie war.

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Direkt danach ging es zum nächsten kleinen Abenteuer für mich: Zähneputzen hinterm Felsen! Die „Waschräume“ und Toiletten der Hütte sind nicht sonderlich einladend, also entschieden wir uns, unsere Morgenroutine am Felsen abzuhalten. 😀 Ein lustiger Start in den Tag.

 

 

Es gab so viele wunderbare und einzigartige Augenblicke, über die ich mich jetzt noch freuen kann und worüber ich wirklich dankbar bin. Auch, wenn ich teilweise wirklich zu kämpfen hatte, kann ich jetzt im Nachhinein sagen, (da sagt sich alles leichter :D) dass es eine wundervolle Zeit war! Ich hab so viel über mich gelernt, bin über Grenzen gegangen von denen ich dachte, dass ich es nicht könnte, bin so viel gelaufen wie schon lange nicht mehr und bin mit jedem Tag stärker geworden – wenn auch eher mental als körperlich-!
Ich bin wirklich stolz auf mich, dieses Abenteuer miterlebt, durchgehalten und überlebt zu haben. 😉
Und wer weiß, vielleicht ja nächstes Jahr wieder ….

Ich danke dir fürs Lesen und Vorbeischauen und hoffe, du schaust bald wieder vorbei ❤

-A 💜

 

 

 

 

 

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