Ein freier Tag in Aussicht, frischer Kaffee mit dem tollsten Milchschaum (an Latte-Art arbeiten wir noch), gute Indiemusik im Hintergrund und kleine Sonnenstrahlen im Raum – wie man den Tag noch besser starten kann? Einfach. Mit frischem, ofenwarmen Sauerteigbrot.
Ich habs ausprobiert, völlig unerwartet.
Nie hätte ich gedacht, dass ich mich da schon ran traue. Zu groß war immer das Mysterium um das perfekte Ergebnis. Irgendwas mit ständig falten, 1:2:2 und warten, gefolgt von ner großen Menge Frustration. Als mir meine Kollegin das Starterglas in die Hand drückte, war ich dann aber doch etwas optimistisch, vielleicht auch ehrgeizig, das jetzt auch zu schaffen. Das war der Moment den ich brauchte, den Schubs ins kalte Wasser.


Und so stand ich da Samstagmorgens, mit nem Starter, der über Nacht so überhaupt gar nicht aufgegangen war. Super Start. Also nochmal füttern und warmstellen und, ja wie angekündigt, warten. Und warten. Bis dann doch tatsächlich was im Glas passierte. Also nochmal füttern und nochmal warten. Und so weiter. In der Zwischenzeit musste ich natürlich noch einen stilechten Gusseisentopf besorgen, ganz klar, ohne den wird das nichts. (Wie sich rausstellte wirklich nicht, denn 250° sind für herkömmliche Töpfe einfach viel zu viel auf Dauer.)
Mittlerweile war es dann auch schon wieder später Nachmittag. Der Prozess des ständigen Faltens war gekommen, dazwischen natürlich wieder 30 Minuten abwarten. So Gesamt 2h. So oft wurde der Timer an einem Tag noch nie gebraucht. Aber der ganze Prozess war ja eine Premiere, für alle Beteiligten. Und der Tag zum Abend geworden.
Und dann war es endlich soweit: die Teigkugel konnte auf Backpapier und schließlich in den Topf, der zuvor im vorgeheizten 250° Ofen aufgewärmt wurde. Gewartet wird dann wieder, 20 Minuten, erst wird mit, danach weitere 25 Minuten ohne den Deckel gebacken. Und dann ist er da, der Moment der Wahrheit: Der erste Blick in den Topf, die große Erleichterung eine tolle Brotform zu entdecken, keinen zuletzt erwarteten Fladen. Tja. Was soll ich sagen. Wer jetzt denkt, der ganze Backprozess ist abgeschlossen und endet mit dem probieren des 24h Werks, hat sich gewaltig getäuscht. Denn wie soll es auch anders sein, wird nochmal gewartet, EINE GANZE STUNDE LANG, denn wenn das Brot zu früh angeschnitten wird, kann das innere verklebt, matschig sein. Und nach all der (Warte-)Zeit wollen wir nichts riskieren.



Dann war es fast Mitternacht, na gut es war ungelogen PUNKT 22 Uhr und der Moment der Momente war gekommen: Das Anschneiden. Der Augenblick der für einen jeden (Hobby-) Bäcker so entscheidend ist. Alles oder nichts. In meinem Fall einfach alles. Es sah so, so so toll aus, roch und schmeckte wirklich unfassbar gut. Und so gab es Abends um 10 ENDLICH das verdiente Nutellabrot. Mit Butter!
P.S.: Weil ich jetzt rausfinden muss, obs pures Anfängerglück oder aus Versehenes Können war, steht der nächste Starter für heute schon bereit. Drückt mir die Daumen!