Meine allerersten Erfahrungen auf dem Laufsteg – Hutmodenschau in der Hochschule 👩🏽‍🎨 🎩

Entwerft einen Hut, das wird lustig, haben sie uns gesagt. Doch dass es nervenaufreibend, aufregend und laut wird, hat uns keiner gesagt. 😀
Aber fangen wir ganz am Anfang an: In einer der ersten Vorlesungen im Fach „Plastisches Gestalten“, abgekürzt auch PG, wurde schon lange diese alljährliche Hutmodenschau angekündigt. Auf viel Begeisterung stieß sie nicht. Laut dem Professor sei dies das Aufnahmeritual der Erstsemesterstudenten und jeder muss sich diesem stellen. Als dies angekündigt wurde, war es gerade mal Herbst. Es war also noch etwas Zeit bis zur Weihnachtsfeier im Dezember. Doch irgendwie war dies nicht der Fall. Plötzlich war sie da, die Vorlesung über die aktuelle Aufgabe im PG, der Hut. Ein paar Beispiele aus den vergangenen Jahren wurden uns präsentiert und die Aufgabe nochmal genau erläutert. „Entwerfen Sie einen Hut NUR mit Dingen und Gegenständen die sich zu Hause befinden oder typisch für den Studienalltag sind.“ 
Es wurde auch nochmal genauestens darauf aufmerksam gemacht, dass jeder daran teilzunehmen hat und wir erst richtig an der Hochschule angekommen sind, wenn wir das hinter uns haben. juhu.
(Für alle die neu auf meinem Blog sind: Ich studiere INNENARCHITEKTUR, nicht etwa Modedesign oder ähnliches. :D)

Also fassen wir nochmal zusammen: ICH, nicht gerade selbstbewusst, designe einen Hut, laufe damit über den Laufsteg und alle Studenten und Professoren sehen mir dabei zu? Natürlich… Das wird lustig! 😛

Die Ideenfindung war eigentlich gar nicht so schwer, eher die Umsetzung dieser. Mein ursprünglicher Plan war es,  ein Geweih aus Ästen am Kopf anzubringen. Es sollte so wirken, als ob es direkt aus meinem Kopf wachsen würde. Nur leider erwiesen sich meine Proben als sehr unstabil. Und, wie sollte das ganze überhaupt befestigt werden und halten? Immerhin muss ich ja auch laufen und es wäre sehr unvorteilhaft, wenn es dabei vom Kopf fällt. Schnell war ich also davon abgekommen, nur ließ mich das Thema Geweih nicht los. Im Gespräch mit meinen Kommilitonen kamen meine ersten Zweifel. Aussagen, wie „Es wurde zwar als Hut angekündigt, soll aber eher eine Skulptur sein.“ oder „Wenn es heißt Hutmodenschau, dann will er doch sicher auch einen richtigen Hut sehen.“ verunsicherten mich sehr.
Aufgrund der zweiten Aussage und aus Stabilitätsgründen, entschied ich mich dazu, einem Zylinder zu bauen, aus dem schließlich mein Geweih herauswächst. Das wärs doch!
Mit Hilfe und Inspiration meiner besten Studienfreundin, hatte ich dann ein Konzept. Nach anfänglichen Schwierigkeiten beim Basteln, fuhren wir schließlich in einen Bastelladen und kauften Dinge, die ich gebrauchen könnte:

♦️schwarze und goldene Sprühfarbe
♦️dicken, festen Draht
♦️Kleber
♦️dickere und dünnere Pappe
♦️Weihnachtskugeln
♦️kleine Schneeflocken

Aus all diesen Dinge würde also mein Hut entstehen. Hoffentlich. 😀
Nur noch mal zur Info: Der Einkauf fand am Montag statt, am Mittwochabend sollte die Modenschau stattfinden. Ich hatte also gaaaaar keinen Zeitdruck.

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Mit Hilfe einer Kuchenspringform, zwei Pappen und viel, viel Kleber entstand dann tatsächlich die Grundform meines Hutes. Der schwierigste Teil war somit abgehakt, dachte ich.
Aber es lagen noch die Stöcke vor mir, welche als Geweih dienen sollen und ebenfalls noch anzubringen waren. Diese besprühte ich jedoch zuerst mit Gold, damit sie etwas eleganter wirken. 🙂 (Die Sprühfarbe habe ich übrigens im DM Drogeriemarkt gefunden!!)
Den Hut stabilisierte ich dann mit einem Stück Pappe im Inneren. Damit das Geweih auch festsitzt, versuchte ich mein Glück mit dem festem Draht. Diesen bohrte ich durch die Wand des Hutes von Innen nach Außen und verdrehte ihn so, dass die Äste an die Wand gedrückt wurden.

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Die Drähte, die Außen zu sehen sind, sprühte ich noch schwarz an, um sie etwas unsichtbarerer zu machen. 🙂
Den Deckel klebte ich teils mit Bastelkleber, teils mit Klebestreifen fest und auch er wurde schwarz gemacht.
Jetzt war aber wirklich das schwierigste überstanden (bis zu diesem Moment jedenfalls – die Modenschau war dann ja morgen noch) und der entspannteste Teil, das Dekorieren, konnte beginnen.

Kugeln und Schneeflocken machten das ganze Weihnachtlich und zum ersten Mal seit Tagen konnte ich durchatmen, denn es war vollbracht. Der Hut fertig, das Outfit bereit und auch Make-Up Ideen waren im Kopf.

Passend zum Hut wählte ich ein schwarzes Kleid, mit goldenen Punkten. Gold wählte ich e3Li 100%benfalls als meinen Lidschatten und die Fingernägel passend rot zu den meisten Kugeln.

Für den Fall ihr fragt euch was das da an der Unterseite der Hutkrempe ist: Stoffe. Der Hut ist einfach so unbequem und schmerzhaft zu tragen. Selbst mit der kleinen Abpolsterung konnte ich ihn höchstens 5 Minuten tragen und das könnte zum Problem werden.
Da es zeitlich zu knapp wurde, konnte ich es auch nicht mehr schwarz ansprühen. Also musste es optisch so gehen.

Und ach ja: Meine Schuhe wählte ich so flach und bequem wie möglich! Ich hatte schon Kopfschmerzen vom Hut, da sollen die Füße nicht noch weh tun. Und das Risiko, dass mir irgendwas peinliches passiert, war mir zu groß. 😀

Als meine Freundin und ich in der Hochschule ankamen, war es noch recht leer. Der Laufsteg war bereits aufgebaut und die Lichter brannten. Das war alles schön und gut, aber  wo sollten wir hin? Wer läuft wann und wie und überhaupt? Wir hatten keinerlei Infos.
Als alle Gäste und Studenten anwesend waren wurde es laut und eng. Keine schöne Kombination. Pünktlich 19.00 Uhr, als die Show losgehen sollte, bekamen wir Infos zugeschrien. Wir würden also in der Reihenfolge der Gruppen laufen, in denen wir uns am Anfang des Semesters gewählt hatten. Da wir Gruppe 6 sind, hatten wir noch ewig Zeit, bevor es losging. Blöd nur für mich: ich konnte und wollte den Hut nicht absetzen, damit ich bereit bin und auch nichts kaputt geht. Das tat weh.
ENDLICH war es soweit und der Startschuss für unsere Gruppe fiel. Aufgeregt war ich irgendwie nicht. Ich hatte nur keine Lust mich so zu blamieren. Und dann war da noch das viele Konfetti auf dem Laufsteg, also eine Risikoquelle, trotz flacher Schuhen hinzufallen. Ja, sowas hätte ich drauf. 😀fullsizeoutput_9c
Ich schaffte es aber ohne Zwischenfall.
Es fühlte sich sogar richtig cool an dort oben zu laufen. Die vielen Menschen und die laute Musik nahm ich gar nicht mehr wahr. Ich war vollkommen bei mir und Hochkonzentriert. Nach der ersten Bahn machte ich sogar eine Pose am Ende! 😀 Auf dem Rückweg bekam ich nochmal eine Ladung Konfetti ins Gesicht, es störte mich aber kaum. Ich musste immer daran denken, dass ich nicht ausrutschen will und hoffte, dass mein Hut zusammenhält. Die 30 Sekunden die ich lief, fühlten sich wie Minuten an und die kurze Bahn des Laufstegs so lang!

Als ich die Treppe wieder runterging, fiel mir so ein Stein vom Herzen. Ich hatte es geschafft. Es fühlte sich so befreiend an!

Am Ende, als alle Gruppen durch waren, liefen nochmal alle mit Wunderkerzen. Dies mal nur eine Bahn und ohne Reihenfolge. Nun war es auch gar nicht mehr so komisch wie beim ersten Mal und man konnte es ein bisschen mehr geniessen. fullsizeoutput_9d
Jedoch staute es sich am Ende des Laufstegs ganz schön, denn die ganzen Studenten wussten nicht, wo sie nun hin sollen. Zurück ging nicht, denn der Flur war voller Menschen.

Als die Show dann endgültig vorbei war, kam es zur Siegerehrung. 5 Studenten hatten die Chance gekürt zu werden. Ich wusste, dass ich es nicht sein würde und war deshalb auch nicht traurig oder verärgert, dass nicht mein Hut gewählt wurde. 🙂
Was mich jedoch ärgerte, war das Verhalten der einen Jurorin/Professorin. Mir war klar, dass sie einige Hüte anheben müsste, um sie sich besser ansehen zu können. Doch sie tat das sehr ungeschickt und warf meinen zu Boden. Die Kugeln waren somit kaputt. Schnell schaute sie um sich und versuchte den Besitzer ausfindig zu machen oder um zu gucken, wer ihre Tat beobachtet hatte. Tja. Ich saß genau vor ihr. Mit einer dämlichen Handbewegung und mit den Worten, warum dies keine Plastikkugeln wären, „entschuldigte“ sie sich und ging weiter.
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Aber naja. Mir war es fast ein bisschen egal. Ich wusste eh nicht, was ich nun mit dem Hut tun sollte. Sie half mir also sogar ein bisschen. Ihre Reaktion ärgerte mich trotzdem.

Im Großen und Ganzen war es ein toller Abend gewesen. Ich bin über meinen Schatten gesprungen und hatte sogar Spaß gehabt. Nächstes Jahr werde ich mir auf jeden Fall die anderen Erstsemester bei ihrer „Aufnahmeprüfung“ anschauen und mich an meinen Moment auf dem Laufsteg zurückerinnern.

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-A 💜🎩
P.S: Das Video zu meinem Walk findet ihr auf meiner Instagramseite! Hier klicken!

2 Kommentare zu „Meine allerersten Erfahrungen auf dem Laufsteg – Hutmodenschau in der Hochschule 👩🏽‍🎨 🎩

  1. Das war dann wohl der Startschuss für einen erfolgreichen Nebenerwerb als Laufstegmodel. Tolle Arbeit und toller Artikel! Bitte Namen und Adresse der Professorin mitteilen, ich kümmere mich darum 😉

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